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01.09.2016 FINANCE Magazin

Das verdienen Banker im Firmenkundengeschäft

von Philipp Habdank

Der Wettbewerb im Firmenkundengeschäft ist heiß gelaufen – nicht nur um Kunden, sondern auch um Mitarbeiter. FINANCE weiß, welche Banken am meisten Gehalt bezahlen.

Der Wettbewerb der Banken um die wertvollsten Unternehmenskunden beschert den Firmenkundenberatern steigende Gehälter.
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Der Wettbewerb der Banken um die wertvollsten Unternehmenskunden beschert den Firmenkundenberatern steigende Gehälter.

Die anhaltend niedrigen Zinsen setzten europäischen Banken zu. Die Folge: Eine Sparrunde nach der nächsten. Das hiesige Firmenkundengeschäft fassen die Banken bei ihren Kürzungen derzeit aber noch nicht an. Im Gegenteil: Die Gehälter für Firmenkundenberater für große mittelständische Unternehmen sind in den letzten Jahren explodiert. Ein Key-Account- oder Relationship-Manager auf Senior-Level verdient derzeit im Schnitt zwischen 100.000 und 125.000 Euro brutto pro Jahr. Hinzu kommen Bonuszahlungen zwischen 17.500 und 35.000 Euro.

Das zeigt eine exklusiv für FINANCE erhobene Übersicht der Frankfurter Personalberatung Indigo Headhunters. Andreas Krischke ist einer der sechs Indigo-Gründer und Autor der Studie. Er hat für seine Erhebung mehr als 200 Interviews mit sogenannten Key-Account- oder Relationship-Managern geführt, die Mittelständler und Konzerne mit einem Jahresumsatz von mindestens 250 Millionen Euro betreuen.

Die wechselwilligen Banker kommen aus insgesamt zwölf Häusern: Vier Landesbanken, fünf Geschäftsbanken und drei Auslandsbanken (siehe Info-Box). Indigos Gehaltsliste liefert damit einen Querschnitt durch die deutsche Bankenlandschaft.

Deutsche Bank zahlt nicht am meisten Gehalt

Die Ursache für die seit der Finanzkrise deutlich gestiegenen Gehälter für Firmenkundenbanker sind vor allem die vielen Mittelstandsoffensiven, die in den vergangenen Jahren vor allem von ausländischen Banken ausgerufen wurden – sei es durch die BNP Paribas, die bis nächstes Jahr 600 Firmenkunden betreuen möchte oder von der HSBC Trinkaus & Burkhardt mit ihren Wachstumsplänen aus dem Jahr 2013. 

Das vielleicht überraschendste Ergebnis: „Offensiven wie diese sind ein Grund dafür, warum die Deutsche Bank heute ihre Firmenkundenbanker verglichen mit den anderen Geschäfts- und Auslandsbanken am unteren Ende der Range bezahlt“, sagt Krischke im Gespräch mit FINANCE. Deutschlands größtes Geldhaus habe lange keine Veranlassung gesehen, sich dem Wettbewerb um die besten Beratertalente zu stellen. Unterhalb der Führungsebene sei die Gehaltsschere infolgedessen Jahr für Jahr weiter auseinander gegangen. „Das führte zuletzt verstärkt zu Abgängen, häufig in Richtung HSBC und BNP Paribas“, erzählt Krischke. Die Deutsche Bank wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

So viel verdienen Banker im Firmenkundengeschäft

Geschäfts- und Auslandsbanken zahlen am besten

Gemessen am Branchenschnitt zeigen die Auslandsbanken denn auch die größte Zahlungsbereitschaft. Durchschnittlich bieten sie ihren Firmenkundenbetreuern großer Mittelständler ein Grundgehalt zwischen 110.000 Euro und 130.000 Euro. Als Bonus legen sie weitere 20.000 bis 50.000 Euro drauf.

Damit zahlen sie im Schnitt etwas besser als die deutschen Geschäftsbanken. Deren Grundgehalt startet durchschnittlich bei 100.000 Euro und kann bis auf 130.000 Euro steigen. Die Boni liegen zwischen 20.000 und 40.000 Euro. Deutlich weniger zahlen die Landesbanken: 90.000 bis 120.000 Euro Grundgehalt plus 10.000 bis 20.000 Euro Bonus streichen die Landesbanker jährlich ein.

Überraschender Sieger im aktuellen Gehalts-Ranking ist eine seit vielen Jahren nicht mehr ertragsstarke Bank: „Die IKB bezahlt ihre Relationship-Manager über alle Bankensektoren hinweg am besten“, beobachtet Krischke. Allerdings habe die IKB seit jeher gut bezahlt und sei damit von einem höheren Grundniveau aus in das Rennen um kapitalmarktaffine Firmenkundenberater gestartet.

LBBW, BayernLB und NordLB punkten mit höheren Pensionszahlungen

Neben Grundgehalt und Bonus fließen ins Gehaltspaket eines Firmenkundenbankers teilweise auch Pensionszahlungen und die Nutzung eines Firmenwagens mit ein. Während bei den drei Auslandsbanken der fahrbare Untersatz für den Banker inklusive ist, ziehen zwei von fünf Geschäftsbanken ihren Beratern den Firmenwagen vom Grundsalär ab.

Krischkes Faustregel lautet: „Je mehr Mitarbeiter ein Institut beschäftigt, desto weniger großzügig sind sie bei der PKW-Regelung“. Diese Regel trifft auf die Landesbanken zu. Drei der vier Landesbanken verlangen von ihren Beratern eine Gebühr für den Firmenwagen.

Dafür punkten die Landesbanken bei den Pensionszahlungen: Im Gegensatz zu den Geschäfts- und Auslandsbanken verlangen sie von ihren Mitarbeitern keine Beteiligung und bieten laut Krischke bei Altverträgen „recht üppige Pensionszusagen“. Die Geschäfts- und Auslandsbanken zahlen Pensionen häufig ausschließlich im Rahmen des BVV – dem Versicherungsverein des Bankgewerbes. „Das sind jährlich rund 4.000 Euro“, sagt Krischke, die zudem noch anteilig vom Arbeitnehmer über eine Gehaltsumwandlung getragen werden.

philipp.habdank@finance-magazin.de

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