Presse

08.12.2016 Interview-Reihe des private banking magazins

Der etwas andere Marktausblick: Wie entwickeln sich Gehälter, Jobprofile & Co. im Private Wealth Management

Die Ertragslage im Private Wealth Management ist angespannt – mit Folgen für Gehälter und Karrieremöglichkeiten. Das private banking magazin hat zehn Headhunter nach Trends am Personalmarkt im Private Wealth Management befragt.

Wo sehen Sie die Private-Wealth-Management-Branche in Deutschland zurzeit?

Anja Florack: Wenngleich das Geschäft mit vermögenden Privatkunden nach wie vor als ein wichtiger Ertragsbringer bei den Banken gilt, unterliegt der Markt weiterhin einer Konsolidierung. Dies liegt vor allem an den erhöhten Regularien durch die Aufsicht, der lange währenden Niedrigzinsphase, neuen Technologien – Stichwort Digitalisierung – und veränderten Anforderungen beziehungsweise Bedürfnissen der Investoren. All diese Faktoren führen weiterhin zu einer sehr angespannten Ertragslage.

Wird die Zahl der Jobwechsel in naher Zukunft zunehmen?

Florack: Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Jobwechsel auf der Relationship-Seite in der nächsten Zeit nicht spürbar zunehmen wird. Die Zeiten, in denen Häuser ihr Wealth-Management-Geschäft wesentlich ausgebaut haben, sehen wir aktuell nicht. Das soll nicht heißen, dass Teams nicht wieder aufgestockt werden, die Mitarbeiter verloren haben.

Wo entstehen künftig vermehrt Stellen: bei den Banken, bei unabhängigen Vermögensverwaltern, bei Family Offices oder anderen kundenseitigen Arbeitgebern wie Stiftungen, Versorgungswerken, Kirchen et cetera?

Florack: Durch die Komplexität des Geschäfts insbesondere in puncto Regularien sowie durch die Margen-Erosion ist generell ein Trend zu unabhängigen Vermögensverwaltern, Family Offices und Stiftungen zu verzeichnen. Da diese Treiber weiterhin bestehen, wird auch die Sogwirkung anhalten.

Welche Trends gibt es bei den Gehältern im Private Wealth Management?

Florack: Vor allem die Gehälter im Wealth Management sind in den Jahren bis zirka 2014 relativ stark gestiegen. Dieser Trend wurde insbesondere von einigen Schweizer Häusern forciert, die vergleichsweise hohe Festgehälter aufriefen. Aktuell hingegen stagnieren sie eher. Bei einzelnen Häusern, die bisher „unter Markt“ gezahlt und Kundenberater an Wettbewerber verloren haben, wird sich hingegen die Notwendigkeit ergeben, die Gehaltsstrukturen anzupassen, wenn man extern nachbesetzt.

Inwiefern sind die Jobprofile heutzutage anders als noch vor drei bis vier Jahren?

Florack: Neben umfassendem Kapitalmarkt-Know-how stehen Soft Skills nach wie vor im Vordergrund – Glaubwürdigkeit, sicheres Auftreten und hohe Kommunikationsfähigkeit. Alles Attribute, die auch vor vier Jahren schon eine Rolle spielten. Auf der Produktseite werden zunehmend Profile nachgefragt, die über die reine Wertpapierschiene hinausgehen. Gerade bei UHNW-Kunden gewinnt das Thema Alternative Investments aufgrund der Niedrigzinsphase an Bedeutung.

Was spielt heutzutage für Wechselwillige eine Rolle?

Florack: Jobsicherheit wird zunehmend wichtig. Auch wenn gestandenen Wealth Managern mit großen Kundenbüchern vermeintlich alle Häuser offenstehen, hat die Vergangenheit gezeigt, dass der Kunde eine weitaus höhere Verbundenheit zu der Bank hat als man dachte. Dies führt dazu, dass jeder Wechsel klug und nachhaltig erfolgen sollte. Da ferner eine ausgeglichene Work-Life-Balance für Viele wichtiger wird, besteht durchaus die Bereitschaft, auf den einen oder anderen Karriereschritt zu verzichten.

Holen sich Private Banker und Wealth Manager zunehmend Rat bei einem Karriere-Coach?

Florack: Den Trend sich einen Coach zu „leisten“, der neutrale Unterstützung im Hinblick auf Karrierefragen bietet, sehen wir generell im Bankenumfeld. Dies würden wir nicht primär auf das Private Banking und/oder Wealth Management beziehen.

Ein Berater geht von Bank A nach B oder in die Selbstständigkeit. Was sind gute, was durchschnittliche Werte – in Prozent der Assets under Management – bei der Mitnahme des Kundenbuches?

Florack: Statistiken haben gezeigt, dass weitaus weniger Volumen mitgeht als man ursprünglich annahm. Insofern würde ich sagen, alles über 30 Prozent, vielleicht schon über 25 Prozent sind gute Werte.

Sehen Sie, dass sich zunehmend ausländische Private-Banking-Anbieter wieder für den deutschen Markt interessieren?

Florack: Sehr vereinzelt und wenn, dann durch den Zukauf von Privatbanken durch ausländische Investoren. Jüngste Beispiele ist der Kauf von Hauck & Aufhäuser durch Fosun oder der der BHF-Bank durch die Oddo-Gruppe.

Die gesamte Interviewreihe: https://www.private-banking-magazin.de/der-etwas-andere-marktausblick-wie-entwickeln-sich-gehaelter-jobprofile–co-im-private-wealth/

Erstveröffentlichung 06.12.2016
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